Warum die Spannen so weit sind
Wer nach Sanierungskosten sucht, findet für dieselbe Maßnahme Angaben, die um den Faktor drei auseinanderliegen. Dafür gibt es drei nachvollziehbare Gründe.
Der erste ist die Bezugsfläche. Eine Fassadendämmung wird je Quadratmeter Fassadenfläche abgerechnet, nicht je Quadratmeter Wohnfläche. Bei einem freistehenden Einfamilienhaus ist die Fassade grob so groß wie die Wohnfläche, bei einem Reihenmittelhaus deutlich kleiner. Vergleicht man beide Zahlen ohne die Bezugsgröße, ist der Vergleich wertlos.
Der zweite Grund ist die Vorarbeit. Ein tragfähiger, ebener Putz kostet nichts extra. Ein sandender Altputz, der abgeschlagen und neu aufgebaut werden muss, kostet 30 bis 60 Euro je Quadratmeter zusätzlich — bevor die erste Dämmplatte hängt.
Der dritte Grund ist das Gerüst. Es steht in fast jedem Angebot als eigene Position und wird beim Vergleich gern übersehen. Bei einem zweigeschossigen Haus liegen dafür 8 bis 15 Euro je Quadratmeter Gerüstfläche an.
Kernpunkt
Fragen Sie bei jeder Kostenangabe nach der Bezugsfläche. Ohne sie ist die Zahl nicht vergleichbar — auch nicht zwischen zwei Angeboten für dasselbe Haus.
Die Gewerke einzeln
Die folgenden Spannen gelten für ein bewohntes Einfamilienhaus im Bestand, ausgeführt vom Fachbetrieb, einschließlich Material und Montage.
- Dämmung der obersten Geschossdecke — 30 bis 60 Euro je Quadratmeter. Das günstigste Verhältnis von Kosten zu Wirkung, wenn der Dachboden nicht ausgebaut ist.
- Kellerdeckendämmung — 40 bis 70 Euro je Quadratmeter. Bei ausreichender Raumhöhe eine Maßnahme für ein Wochenende.
- Dachdämmung zwischen den Sparren — 60 bis 120 Euro je Quadratmeter. Lohnt sich vor allem, wenn das Dach ohnehin neu eingedeckt wird.
- Fassadendämmung mit Wärmedämmverbundsystem — 150 bis 250 Euro je Quadratmeter Fassadenfläche, Gerüst enthalten.
- Fenstertausch, Dreifachverglasung — 500 bis 800 Euro je Quadratmeter Fensterfläche, eingebaut.
- Wärmepumpe Luft/Wasser — 25.000 bis 40.000 Euro vor Förderung, einschließlich Speicher, hydraulischem Abgleich und Inbetriebnahme.
Die Wärmepumpe ist die einzige Position, bei der die Förderung die Rechnung grundlegend verändert. Mit welchen Zuschüssen zu rechnen ist, steht unter Förderung.
Woran ein zu günstiges Angebot erkennbar ist
Ein Angebot unterhalb der Spanne ist kein Glücksfall, sondern fast immer ein Hinweis auf einen kleineren Leistungsumfang.
Prüfen Sie zuerst, ob Gerüst, Entsorgung und Anschlussarbeiten enthalten sind. Fehlen sie, kommen sie später als Nachtrag — dann aber ohne Wettbewerb, weil der Betrieb schon auf der Baustelle steht.
Zweitens: Werden Dämmstoffdicke und Wärmeleitgruppe genannt? „Dämmung 14 cm" ist keine Angabe. Erst mit der Wärmeleitgruppe wird daraus eine überprüfbare Leistung.
Drittens: Steht der hydraulische Abgleich im Heizungsangebot? Ohne ihn läuft eine Wärmepumpe dauerhaft im ungünstigen Bereich, und die Förderung setzt ihn ohnehin voraus.
Ein Angebot, das diese drei Punkte sauber ausweist, darf teurer sein als eines, das sie verschweigt. Wie sich die Reihenfolge der Maßnahmen auf die Gesamtkosten auswirkt, steht unter Reihenfolge.
Was die Zahlen für Ihr Haus bedeuten
Rechnen Sie mit den Spannen, bevor Sie Angebote einholen. Nicht um den Preis zu drücken, sondern um zu erkennen, welches Angebot Sie überhaupt vergleichen können.
Ein typisches Einfamilienhaus aus den siebziger Jahren mit 140 Quadratmetern Wohnfläche hat rund 180 Quadratmeter Fassadenfläche, 25 Quadratmeter Fensterfläche und 90 Quadratmeter oberste Geschossdecke. Daraus ergibt sich für das Gesamtpaket eine Spanne von etwa 60.000 bis 105.000 Euro vor Förderung.
Diese Zahl ist kein Preis, sondern ein Rahmen. Ob eine einzelne Maßnahme sich trägt, hängt an den eingesparten Energiekosten — das rechnet der Amortisationsrechner durch. Ob sie sich finanzieren lässt, ist eine zweite Frage, die vor der ersten Unterschrift beantwortet sein sollte.


